Kirchenaustritt?

Wir wissen durchaus: Die Kirche hat Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Bedeutung verloren. Viele Menschen wenden der Kirche den Rücken zu. Die Gründe sind vielfältig. Auch wir hinterfragen unseren Glauben immer wieder und arbeiten für eine Kirche, die aus Fehlern lernt und stets weiter wächst. Einige Antworten auf häufig geäußerte Zweifel können wir bereits hier anreißen, für tiefgründigere Gespräche über Ihre Kritikpunkte vereinbaren Sie gern ein Gespräch mit uns – wir haben ein großes Interesse daran, mit Ihnen über Ihre Beschwerden, Vorbehalte und Zweifel zu sprechen. Hier ein paar Beispiele dazu:

 


 

Sie sagen: „Ich zahle schon so viele Steuern. Jetzt soll ich zusätzlich Kirchensteuer zahlen? Die Kirche erklärt mir nicht, was sie mit ihrem Geld macht.“

Dazu antwortet M. Dörscher, Vorsitzender des Finanzausschusses unseres Kirchengemeinderates:

„Für einen Großteil der Kirchenmitglieder liegt der Kirchensteuerbetrag zwischen 1 bis 2 Prozent des jeweiligen Einkommens, maximal jedoch bei 3 Prozent – aus meiner Sicht ein leistungsgerechter und fairer Beitrag aller Kirchenmitglieder.

Was tut die Nordkirche mit diesen Mitteln? Die Kirche finanziert hieraus u.a. vielfältige Angebote für alle Bürger – unabhängig davon, ob sie Mitglied der Kirche sind. Zu nennen sind hier z.B. die Beratungsstellen oder die evangelischen Kitas.

Aktuell kommen von Ihrer Kirchensteuer bei der Kirchengemeinde Blankenese pro Jahr rund 50 Euro an. Bis auf die Gehälter der Pastoren muss die Kirchengemeinde alle Aktivitäten selbst finanzieren. Ohne die großzügigen (zusätzlichen) Spenden vieler Menschen könnte das umfangreiche Angebot der Blankeneser Kirchengemeinde nicht aufrechterhalten werden. Sehr gern erläutere ich Ihnen unseren Haushalt und die vielfältigen Aktivitäten, die wir hieraus finanzieren.“

Lesen Sie Näheres zu den Finanzen der Kirche auch hier ... Eine Gemeinde in Baden-Würtemberg hat beispielhaft erklärt, was mit den Kirchensteuern geschieht. Lesen Sie deren Artikel hier ...

 


 

Sie sagen: „Ich bin erschüttert von den Missbrauchsfällen in der Kirche – insbesondere gegenüber Kindern.“

Dazu antwortet Fiona Hansen, Vorsitzende des Ausschusses Kinder und Jugend unseres Kirchengemeinderates:

„Ja, ich teile Ihre Empörung, Ihre Wut und Ihre Trauer. Die evangelische Kirche hat große Schuld auf sich geladen. Und sie arbeitet hart daran, dass Missbrauchsfälle aufgearbeitet und Täter bestraft werden sowie Opfern Genugtuung angeboten, erneuter Missbrauch verhindert und Vergebung möglich wird.“

Lesen Sie mehr zu den Maßnahmen der Kirche hier ...

 


 

Sie sagen: „Religionen sind schuld an den meisten Kriegen in der Welt. Im Namen Christi wurde gemordet, gefoltert, vergewaltigt, drangsaliert und weggeschaut.“

Dazu antwortet Klaus-Georg Poehls, Pastor in unserer Gemeinde:

„Ja, die Geschichte der Kirche ist getränkt von Blut und Tränen. Die Schuld der Kirchen ist unermesslich. Häufig sind religiöse Unterschiede nur vorgeschobener Grund für Krieg und Vertreibung. Heute setzt sich die Kirche wie kaum eine andere Organisation für Versöhnung, Toleranz und Frieden ein. Die in Blankenese sehr aktive Weltethos-Initiative ist dafür ein gutes Beispiel.“

Lesen Sie hier mehr dazu ... Über die Initiative Weltethos finden Sie hier weitere Informationen.

 


 

Sie sagen: „Die Kirche ist intransparent, reformunfähig oder reformunwillig.“

Dazu antwortet Dr. Stefan Bötzel, Vorsitzender unseres Kirchengemeinderates:

„Wir sind stolz, einer Kirche anzugehören, die basisdemokratisch strukturiert ist. Im Rahmen der christlichen Botschaft und der Kirchengesetze sind wir in Blankenese völlig frei, wie wir unsere Gemeindearbeit gestalten und unseren Glauben praktizieren. Niemand schreibt uns das vor. Das demokratische Grundprinzip erfordert allerdings manchmal auch Überzeugungskraft, Kompromissbereitschaft und Geduld. Wir freuen uns, wenn Sie mit uns Reformen in Blankenese anstoßen und umsetzen wollen – machen Sie mit!“

Mehr zu Reformen und der Kirche finden Sie hier ...

 


 

Sie sagen: „Die Kirche kann nichts Neues zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen.“ Oder: „Die Kirche ist zu einseitig politisch.“

Dazu antwortet Helga Rodenbeck, Flüchtlingsberaterin unserer Gemeinde:

„Wir meinen, dass Glauben immer auch Handeln im sozialen und gesellschaftlichen Kontext bedeutet. Die Nächstenliebe darf nicht nur Postulat sein, sondern muss gelebt werden. Das verlangt ab und zu klare Kante. Ein Beispiel von vielen: Wenn die EKD sich zur Flüchtlingspolitik sehr pointiert geäußert hat, so entspringt dies christlichen Werten. Vor Ort setzen wir dies um. Zum Beispiel in den Flüchtlingsunterkünften im Hamburger Westen, im Bunten Haus, aber auch in unserer Partnergemeinde Lupombwe / Tansania und anderswo.“

Mehr zu gesellschaftlichen Stellungnahmen der Kirche finden Sie hier ...

 


 

Sie sagen: „Ich glaube nicht an Gott. Dreieinigkeit, Kreuzestod und Auferstehung sagen mir nichts.“

Dazu antwortet Christiane Melchiors, Pastorin in unserer Gemeinde:

„Jetzt weiß ich, woran Sie nicht glauben. Mich würde interessieren, woran Sie glauben.

Glauben, das ist für mich etwas anderes als ein Für-wahr-Halten von dogmatischen Aussagen, ein Hersagen-Können des Katechismus oder von Bibelversen. Glauben ist für mich ein Weg in eine tiefere Wahrheit, ein begründetes Vertrauen, eine Zuversicht, die mir zuwächst. Oft gerade dann, wenn ich spüre, wie wenig ich selbst in der Hand habe, wie wenig ich kontrollieren und selbst managen kann. Oft gerade dann, wenn es um die großen Herausforderungen des Lebens geht, um Liebe, Leid und Tod. Mir geht es dabei nicht um die großen Worte, sondern um eine eigene Erfahrung, darum, gehalten zu sein - auch über Abgründen. Darum, dass ich nicht für mich allein lebe und nicht für mich allein bleibe, sondern wir alle hier miteinander unterwegs sind auf unserer Reise, die eine Herkunft und eine Heimat hat. Ich nenne sie Gott.

Woran glauben Sie? Darüber würde ich mit Ihnen gern ins Gespräch kommen."

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Sie sagen: „Die Kirche spricht nicht meine Sprache. Die kirchlichen Rituale wie Abendmahl und Segnung berühren mich nicht. Die evangelische Kirche ist mir nicht spirituell genug / zu spirituell.“

Dazu antwortet Thomas Warnke, Pastor in unserer Gemeinde:

„Wir essen nicht den Leib Christi und trinken nicht sein Blut; wir sind keine Kannibalen. Aber wir meinen, dass jeder Mensch das Bedürfnis nach Spiritualität hat, nach Wärme, nach Konzentration auf das Wesentliche, nach Reflexion und Kontemplation, nach Hoffnung und bedingungsloser Liebe. In der Blankeneser Gemeinde finden Sie, was Ihnen ganz persönlich wichtig ist und Ihnen guttut: von Meditation, Stille und Gebet über viele Gesprächskreise bis hin zu traditionellen Ritualen, die uns Halt und Heimat geben.“

 


 

Wir sprechen gern mit Ihnen über Ihre Zweifel. Sie brauchen uns nur eine E-Mail zu schicken oder uns anzurufen. Wenn Sie danach immer noch aus der Kirche austreten möchten, müssen Sie das bei Ihrem Standesamt tun – so schreibt es das Gesetz vor. Und unsere Kirche wird auch danach für Sie offen bleiben.